Interview mit OB Simone Lange zum Thema Fußball in Flensburg!

November 9, 2018

Durch den sportlichen Erfolg des SC Weiche Flensburg ist das Thema Fußball sehrpräsent. Es gibt aber viele offene Fragen, Gerüchte und Ängste. Deshalb habe ich heute ein paar Fragen zum dem Thema „Fußball in Flensburg“. Es wurden auch Leser-Fragen,die über Facebook gestellt wurden, mit einbezogen.


Wie wird der Fußball in Flensburg von Ihnen gesehen in Vergleich zum Handball?
Sehen Sie das als Konkurrenz?


Als Oberbürgermeisterin sehe das nicht als Konkurrenz sondern als erfolgreiche Sportarten, die jede für sich erfolgreich ihren Weg gehen. 
 

Die Handballer sind bereits in einer Liga, welche die Fußballer gern noch erreichen möchten. Wir unterstützen das ganz gern. Ob Handball, Fußball oder Degenfechten; erfolgreiche Sportarten sind immer ein Aushängeschild für Flensburg. Wenn eine Sportart aus Flensburg für Flensburg erfolgreich ist, dann ist das immer großartig. Wussten Sie, dass wir mehrfacher Deutscher Meister im Rock ‘N Roll sind ? Das ist genauso unterstützendwert wie Fußball oder Handball. Es gibt Sportarten wie Fußball, die immer sehr viele Menschen anziehen aber es gibt aber auch viele Sportarten, die weniger bekannt sind. Für mich ist es nur gerecht, sie alle in den Blick zu nehmen und zu unterstützen.  Erfolg ist für Flensburg immer gut.


Sehen Sie im Bereich Fußball aktuell Probleme? Ich nehme mal als Beispiel den Verein Roter Stern Flensburg, der ja massive Probleme im Hinblick auf Trainings- und Spielstätte hat. Gibt es dort aktuelle Pläne für eine schnelle Lösung?


Wir haben insgesamt einen Engpass. Roter Stern  Flensburg, ein sehr engagierter Fußballverein, ist ein Beispiel dafür, dass wir mehr Platz brauchen. Es gibt leider auch weitere Beispiele. Wir merken, dass wir zu wenig Sportstätten haben, insbesondere was Plätze angeht. Wir versuchen besser zu werden und Hilfen anzubieten. Auch dem Verein Roter Stern konnten wir Etwas anbieten. Ich verstehe aber auch, dass Roter Stern gern woanders, nämlich im Norden der Stadt spielen möchte. Es ist zwar nicht leicht alle Wünsche zu erfüllen, aber es ist unsere Aufgabe, allen Wünschen gerecht zu werden. Flensburg hat dafür auch eine Sportentwicklungsplanung ins Leben gerufen. Es ist erst mal ein Plan. Es wurde erfasst, wie viele Sportstätten haben wir und in welchem Zustand sind diese Sportstätten, um dann sagen zu können welcher Sportplatz muss nun zuerst in Angriff genommen werden und in welcher Reihenfolge wird dann weiter gearbeitet. Das geht natürlich nicht ohne Politik, denn es kostet immer viel Geld. Ein Kunstrasenplatz zum Beispiel kostet mindestens 50.000 Euro. Diese Kosten müssen durch den Haushalt zur Verfügung gestellt werden. Man muss ehrlich bleiben, dass diese Thematik immer ein zähes Ringen bleiben wird. Aber wir wollen es wirklich gerne, wir wollen auch ein Stadion für Flensburg. Wir glauben fest daran, dass unsere Region ein Stadion vertragen kann.


Verfolgen Sie den Fußball die letzten Jahre denn intensiv in Flensburg oder geht Ihr Interesse eher in Richtung Handball?


Ich selbst komme aus einer Fußball-Familie. Bereits vor meiner Zeit als  Oberbürgermeisterin, war ich oft Gast bei Fußball-Spielen in Weiche. Ich mag Fußball sehr gerne. Fußball ist in vielerlei Hinsicht mit anderen Herausforderungen verbunden. Wir haben gerade in Lübeck beim Spiel SC Weiche Flensburg 08 gegen Werder Bremen erlebt, wie viele Fans zu solchen Spielen kommen. Fußball hat eine andere Fan-Kultur, die eine Stadt auch schon mal vor besondere Aufgaben stellt. 


 

Wo Sie gerade den DFB-Pokal ansprechen. Hätte man die Teilnahme am DFBPokal und das damit verbundene bundeweite Interesse vielleicht besser als Marketing für die Stadt Flensburg nutzen können oder müssen? Ich nehme nur mal das Beispiel Drochtersen Assel. Die haben in der 1. Runde den FC Bayern München als Gegner gehabt, und dort war fast täglich der Bürgermeister im Fernsehen und die komplette Verwaltung hat mit Euphorie an dem Projekt gearbeitet. Die haben ihren Ort vorgestellt. Meiner Meinung nach, hätte man das auch in Flensburg besser nutzen können. Man hat in Flensburg auch nicht viel mitbekommen, obwohl wir unter den besten 32 Mannschaften waren.

 

Als wir erfahren haben, dass wir gegen Werder Bremen spielen, war unsere Aufgabe erst mal, Alles zu versuchen, damit das Spiel hier stattfinden kann. Da haben wir weniger daran gedacht, uns jetzt vor Kameras zu stellen, um zu sagen „Flensburg ist schön“. Der Gedanke, die Teilnahme am DFB-Pokal zu vermarkten ist ja nicht falsch. Wir hatten aber alle Hände voll damit zu tun, weil wir es wirklich gern möglich gemacht hätten. Das war echt schwierig, denn wir haben die Sportstätte noch nicht für solche Spiele. Es ging um geeignetes Flutlicht aber auch um Fluchtwege und Tribünen. Am Ende haben wir ja gemerkt, dass es noch nicht geklappt hat. Wir hatten das notwendige Flutlicht nicht, noch größer war aber das Problem mit den Fluchtwegen. Das will ich auch einmal ganz offen sagen, selbst wenn wir das Flutlicht gehabt hätten, hätte es auf Grund der fehlenden Fluchtwege nicht geklappt. Wir arbeiten aber trotzdem weiter daran. Wir haben keine Pause gemacht und wollen zusehen, dass wir solche Spiele in Zukunft ermöglichen.


Jetzt steht das Team bereits wieder im Finale des Landespokals und eine erneute DFB-Pokal-Teilnahme wäre schon nächstes Jahr wieder möglich.


Absolut, und ich gehe davon aus, mit der Erfahrung die unsere Mannschaft jetzt gemacht hat, werden auch weitere Erfolge kommen. Davon gehe ich wirklich fest aus. Dafür drücke ich auch weiter die Daumen.


Laut Ratsbeschluss soll bis Ende des Jahres ein umsetzbares Konzept für einen Stadion-Neubau und einen Ausbau des Manfred Werner Stadion erarbeitet werden. Wie weit ist die Umsetzung für diese beiden Projekte?


Was das Manfred Werner Stadion angeht, haben wir auch richtig viele Möglichkeiten probiert. Vieles davon ging leider nicht, weil es eine schwierige Situation ist dort, auch durch die Anwohner die sehr nach an der Sportstätte wohnen. Wir haben Lärm- und Lichtwerte die leider nicht dem Baurecht entsprechen. Aber da werden wir bis Ende des Jahres deutlich einen Schritt weiter sein. Beim Thema Stadion sage ich nochmal, dass wir meiner Meinung nach auf die Hilfe der Nachbar-Kommunen angewiesen sind. Ich bin davon überzeugt, das es für unsere relative kleine Region Sinn macht, ein neue Stadion in der Nähe der Autobahn zur errichten, damit man auch Raum für Anfahrt und Parkplätze hat. Dort haben wir wahrscheinlich weniger Problem mit der Geräuschkulisse. Gerade in Lübeck hat an es nach dem Spiel deutlich mitbekommen, wie viel Verkehrsstau  durch die Abreise entstanden ist. Und wenn wir schon ein modernes Stadion bauen wollen, dann möchten wir diese Probleme nach einem Spiel oder Konzert von vornerein vermeiden. Ich glaube aber fest daran, dass unsere Region ein Stadion verträgt. Wir werden irgendwann ganz automatisch 100.000 Einwohner sein und in den Kommunen um uns herum werden wir auch noch mal 50.000 Einwohner haben. Eine Region mit 150.000 kann so ein Stadion vertragen.


Zum Manfred Werner Stadion muss ich da noch mal nachfragen. Im Manfred Werner Stadion wird dringend ein Flutlicht benötigt. Nicht nur für den Möglichen Aufstieg in die 3. Liga sondern auch zwingend erforderlich für den Verbleib in der Regionalliga. Zum 30.06.2020 muss ein Flutlicht fertig stehen, sonst droht ein Zwangsabstieg. Der Bau müsste dafür dann auch in den nächsten 6-9 Monaten beginnen. Die Stadt hat ja bereits 150.000 Förderung zugesagt. Eine weitere Förderung durch das Land muss aber noch diese Jahr beantragt werden. Wie weit sind dort die Gespräche und wurde bereits eine Förderung beantragt?


Die Förderung können wir nur beantragen, wenn wir eine Genehmigung vom Landesamtes bezüglich der Lichtwerte haben. Das Licht ist nun mal so hell, das wir eine Genehmigung benötigen, um das Licht dort aufzubauen. Ich habe aber gehört, dass diese Genehmigung die letzten Tage eingetroffen ist. Somit können wir jetzt auch den Antrag auf Förderung stellen.


Was muss noch vom SC Weiche Flensburg 08 erbracht werden, damit es endlich voran geht und spürbare Schritte unternommen werden? Gibt es da Bereiche, wo der Verein noch mehr machen müsste?


Ich nehme den Verein als extrem engagiert war, aber auch als Verein, der so wie wir als Stadt Flensburg merkt, in welcher Liga wir plötzlich unterwegs sind. Plötzlich sind es ganz andere Strukturen und Beträge der verhandelt werden müssen. Da lernen wir sicher beide. Der Verein professionalisiert sich gerade. Auch der braucht Manpower um das alles abzuarbeiten. So geht es uns als Stadt Flensburg auch. Was ich total gut finde, ist, das der Verein und die Stadt viel miteinander reden, an einem Tisch sitzen und gemeinsam schauen, was brauchen wir jetzt und wie muss es weiter gehen. Und man muss wissen, das sogenannte Manfred Werner Stadion ist ja eigentlich noch ein städtischer Sportplatz. Städtische Sportplätze haben eigentlich die Aufgabe, für alle zur Verfügung zu stehen. Das wird aber irgendwann nicht mehr gehen. Wenn man ein ligataugliches Stadion braucht, dann können eventuell irgendwann nicht mehr alle dort spielen. So ehrlich muss man dann auch miteinander umgehen. Man muss dann klären, ob der Verein den Platz für sich allein pachtet. All solche Gespräche führen wir aber bereits.


Zum Thema Manpower, es sollte nach meinen Informationen auch eine Taskforce „Fußball“ unter der Beteiligung Polizei, Feuerwehr, Ordnungsamt, Verwaltung und Verein eingerichtet werden. Steht diese schon?


Also wir sitzen regelmäßig in dieser Zusammensetzung zusammen. Auch gerade wenn es um solche Spiele wie gegen Werder Bremen geht.


In wie weit unterstütz die Stadt Flensburg das Thema „Profi-Fußball“ in Flensburg und welche Chancen und Probleme sehen Sie in dem Thema? Es wäre dochImage-Gewinn für die Stadt Flensburg (Nördlichster Profi-Verein / Chancen)


Noch ist Profifußball nicht Teil unserer Sportentwicklungsplanung. Dort hat die Politik bewusst zunächst entschieden, das wir uns für den Breitensport stark machen wollen und alle Sportarten im Blick behalten. Das Thema Profi-Fußball ist auch für uns eine neue Erfahrung. Wir fördern es ja, aber am Ende muss auch hier immer die Politik entscheiden. Wenn wir irgendwann ein Stadion bauen, dann muss die Politik entscheiden, mit wie viel Geld unterstützen wir das. Das ist beim Handball genau so. Wenn es um die Erweiterung der Flens-Arena geht, entscheidet die Politik, unterstützen wir das, und wenn ja mit wie viel. Auch bei der Flens-Arena ist ja ebenfalls der Kreis mit dabei, so dass diese Lösung auch beim Fußball sinnvoll wäre.


Beim Fußball hat man natürlich die riesen Chance, dass wir Deutschlands nördlichster Profi-Verein stellen könnten. Das wäre ein super Image-Gewinn und man könnte meiner Meinung nach einen Kult entstehen lassen vergleichbar mit St Pauli oder Union Berlin. Es wäre durch die steigenden Zuschauerzahlen natürlich auch für die ganze Gastronomie in der Region interessant.


Ja natürlich wir kennen es ja vom Handball. Die Menschen verbinden Flensburg damit, Deutscher Meister zu werden ist einfach sensationell. Auch der Handball ist ja viele Jahre gewachsen. So etwas geht über Jahre. Die SG Flensburg Handewitt gibt es jetzt über 25 Jahre. Man kann sehen, dass alles möglich ist. Auch die waren am Anfang 90 People und man kann sehen was darauf geworden ist. Das gleiche wäre natürlich auch im Fußball möglich. Daher wünsche ich auch beiden Sportarten weiter viel Erfolg.


Zum Schluss habe ich noch 2 Leserfragen. Finn Hendrik Kjärsgaard fragt: Wie sieht Ihrer Meinung nach die optimale Lösung / Entwicklung in Sachen Stadion für Flensburg aus?


Ich glaube ganz fest daran, dass wir ein neues Stadion hier in der Region betreiben können. Wie schon erwähnt, glaube ich, dass eine Lösung nahe der Autobahn auch auf Grund des Lichtes und des Lärms am besten wäre. Wichtig, das wir hier in der Region ein Stadion bekommen, denn es gibt hier kein Stadion. Das nächste wäre erst wieder in Kiel. Wenn wir das dann noch mit der deutsch-dänischen Zusammenarbeit verbinden könnten, wäre das natürlich super.


Michael Rohde fragt: Was ist Ihnen wichtiger? Ein neues Stadion Flensburg oder das eigene Interesse in die Bundespolitik zu wechseln?


Diese Frage ist sehr leicht zu beantworten. Ganz klar ein neue Stadion in Flensburg. Aber es ist natürlich auch nicht verkehrt, auf Bundesebene bekannt zu sein. Ich habe Herrn Grindel den DFB Präsidenten jetzt schon 2mal getroffen und der weiß genau wer ich bin. Insofern ist es doch auch nicht verkehrt, wenn man sich auch auf Bundesebene etwas bekannt macht.

 

Bald folgt ein Interview mit Harald Uhr dem Präsidenten vom SC Weiche Flensburg 08. Also bleibt am Ball! Eurer Tobias Preuß.

 

Bild: Tobias Preuß im Interview mit Oberbürgermeisterin Simone Lange

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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