Interview mit Spielern des SC WEICHE FLENSBURG 08

November 30, 2018

 

 

Ich habe Christian Jürgensen, Nico Empen und Gökay Isitan im Vereinsheim des SC Weiche Flensburg 08 getroffen und mit ihnen über die aktuelle Situation gesprochen.

 

 

WIE LANGE SPIELT IHR SCHON FÜR DEN SC UND WARUM HABT IHR EUCH FÜR DEN SC WEICHE FLENSBURG 08 ENTSCHIEDEN?

 

Christian: Seit Sommer 2013 also in der 6. Saison jetzt. Ich habe davor 7 Jahre bei Holstein Kiel gespielt. Am Ende hatte ich mit meinem Rücken dort aber leider gesundheitliche Probleme. Daher wollte ich erst mal wieder auf die Beine kommen, bin dann zurück in meine Heimat, auch um mein Studium voran zu bringen. Dieses habe ich mittlerweile auch abgeschlossen. Eigentlich wollte ich ein bisschen weniger Belastung und Training haben. Das war zu der Zeit auch noch so. Mittlerweile sind wir aufgrund der sportlichen Leistungen aber auch hier professioneller geworden. Mein Körper macht aber ganz gut mit. Als Flensburger Jung war das damals aber eine einfache Entscheidung wieder zurück zu kommen. 

 

Nico: Ich bin jetzt seit Sommer 2017 hier. Ich bin damals von St Pauli hier her gewechselt, da ich bei St Pauli nicht die gewünschten Einsatzzeiten bekommen habe. Ich wollte mich auch weiter entwickeln und habe gesehen, dass hier in Flensburg etwas heranwächst. Die ehrliche Arbeit hier auf dem Platz hat mich sofort begeistert. Für mich ist es der richtige Schritt gewesen, der letzte Saison auch mit dem Meister-Titel belohnt wurde.

 

Gökay: Ich bin seit Juli 2018 hier in Flensburg. Der Wechsel hat sich eigentlich auch sehr spontan ergeben. Kurz nach dem Relegationsspiel gegen Energie Cottbus habe ich mich mit Daniel Jurgeleit zusammen gesetzt und es hat sich sehr schnell ergeben, dass ich nach Flensburg komme. Ich kenne Flensburg natürlich. Ich habe oft gegen Flensburg gespielt und auch verfolgt, was hier heranwächst. Ich bin fest davon überzeugt, dass die Erfolgsserie weiter geht. Deshalb habe ich mich auch dazu entschieden. 

 

 

WIE SEHT IHR DIE ENTWICKLUNG DES FUßBALLS IN FLENSBURG?

 

Christian: Ich finde die Entwicklung außergewöhnlich. Damals war man noch ganz neu in der Regionalliga und es ging erst mal nur darum, so schnell wie möglich die Punkte zu sammeln, um die Klasse zu halten. Jetzt wird man vor jeder Saison schon als Mitfavorit gehandelt. Da hat sich eine Menge getan in den letzten Jahren. Man kann es auch an den Neuzugängen erkennt, wenn man sieht wo die überall herkommen. Durch Spieler vom VfB Lübeck, St. Pauli oder auch Holstein Kiel ist die Qualität natürlich noch weiter gestiegen. Die Krönung war natürlich letzte Saison die Meisterschaft und der Pokal-Erfolg, aber wir sind noch nicht fertig und wollen noch mehr erreichen. 

 

 

WART IHR ÜBERRASCHT VOM ERFOLG DER LETZTEN 12 MONATE?

 

Nico: Man hat es ja schon die letzten Jahre gesehen, das immer einer Steigerung gekommen ist. Neben der für Regionalliga-Verhältnisse außergewöhnlich hohen Qualität war aber auch ausschlaggebend, dass wir eine „geile“ Mannschaft hatten. Da hat jeder für jeden gekämpft und keiner hat geschmollt, weil er mal auf der Bank saß. Jeder hat Vollgas gegeben und dadurch waren es nicht 11 Spieler die ein Spiel gewonnen haben, sondern 18 oder 24 Spieler, da alle an einem Strang gezogen haben. Zusammen mit dem Trainer-Team hat alles perfekt gepasst.

 

 

DIE TEILNAHME AN DEN RELEGATIONSSPIELEN UND DEM DFB-POKAL WAR FÜR DEN SC EINE NEUE SITUATION. WIR WAREN DIE ERFAHRUNGEN FÜR EUCH UND WIE ZUFRIEDEN SEID IHR MIT EUER LEISTUNG?

 

Christian: Gegen Bochum hat man klar gesehen, wie wichtig es ist vor heimischer Kulisse zu spielen. Das hat uns im Hinspiel der Relegation gegen Cottbus leider total gefehlt. Das Spiel in Kiel war von der Kulisse eher ein Auswärtsspiel. Das hat uns natürlich nicht geholfen, und wir sind auch schlecht in das Spiel gestartet. Ähnlich war es in Lübeck gegen den SV Werder Bremen. Da spielt man sowieso schon als Underdog und dann auch wieder auswärts. Das macht die Sache natürlich noch schwerer. Nichtdestotrotz wäre es auch im heimischen Stadion gegen Werder Bremen sehr schwer geworden. Im Großen und Ganzen können wir aber sehr zufrieden sein.

 

HABEN DIESE ERFAHRUNGEN ETWAS IM DEM TEAM BEWIRKT? 
 

 

Nico: Der eigene Anspruch wird natürlich höher. Wenn man einmal wie in Cottbus vor über 20.000 Zuschauern gespielt hat, dann will man das auf jeden Fall wieder. Auch wenn man zuhause Highlight-Spiele wie gegen den HSV für 2.800 Zuschauern hat und merkt, das man die Zuschauer elektrisiert, dann gewinnt man auch solche Spiele und merkt auch was hier möglich ist. Gerade der Erfolg hat uns gezeigt, dass wir mehr schaffen können und dadurch wächst der Hunger auf Erfolg weiter. Man merkt auch, das die Aufmerksamkeit wächst und man wird öfters angesprochen. 

 

WIE ZUFRIEDEN SEID IHR MIT DER AKTUELLEN SAISON?

 

Christian: Wir haben uns vor der Saison in erster Linie vorgenommen, wieder eine konstante Saison zu spielen. Klar war, dass uns die anderen Teams auf dem Zettel haben. Hinter dem Ziel, wenig Gegentore zu bekommen, hinken wir etwas hinterher, da uns etwas die Stabilität fehlt, welches und die letzten Jahre immer ausgezeichnet hat. Dementsprechend haben wir auch ein paar Punkte zu wenig auf dem Konto und sind nicht voll zufrieden.  Für die Rückrunde haben wir uns fest vorgenommen, wieder stabiler aufzutreten und mehr Punkte zu holen.

 

WIE SIEHT DAS TEAM DIE CHANCEN FÜR EINEN AUFSTIEG IN DIE 3. LIGA?

 

Nico: Ich sehe die Chance als sehr realistisch an. Auch wenn man sieht, dass wir mehrere Abgänge von guten Spielern wie Rene Guder gehabt haben, so haben wir auch viele außergewöhnlich gute Spieler dazu bekommen. Das Team musste sich aber insgesamt auch erst mal finden. Klar hat man auch gesehen, dass wir in einigen Spielen schlecht waren, weil wir unsere Leistung einfach nicht gebracht haben. Wenn wir uns aber auch mit den neuen Spielern weiterentwickeln, kann man das Ziel 3. Liga aber echt realistisch einschätzen.

 

Christian: Wenn wir diese Saison unsere Leistung konstant abgerufen hätten, wäre das Ziel sicher auch schon früher möglich gewesen. Jetzt ist es natürlich vermessen, über die Meisterschaft zu reden, aber wir haben die Saison noch nicht abgehakt und wollen alles rausholen, was noch geht. 

 

 

GIBT ES AUF SEITEN DER SPIELER WÜNSCHE, WAS DIE VERBESSERUNG DER VORAUSSETZUNGEN ODER MÖGLICHKEITEN ANGEHT?

 

Nico: Natürlich haben wir Wünsche, wie zum Beispiel das Flutlicht. Jedes Spiel unter Flutlicht hat natürlich nochmal eine ganz andere Atmosphäre. Wenn man dann ein Freitagsspiel hat, kommen auch nochmal mehr Zuschauer und das ist dann schon ein anderes Erlebnis. Mit der neuen Tribüne haben wir ja auch schon etwas mehr Stadion-Feeling. Wir freuen uns auch schon auf den Kunstrasen, weil dadurch die Trainingsbedingungen nochmal deutlich verbessert werden. 

Christian: Unter dem Gesichtspunkt ist es noch bemerkenswerter, was wir in den letzten Jahren geleistet haben. Die Rahmenbedingungen waren auch nicht regionalliga-reif. Das muss man einfach auch mal sagen. Wir reden jetzt immer schon von der 3. Liga, dabei sind die Voraussetzungen die wir vorfinden eigentlich unterstes Regionalliga-Niveau. Im Winter sind wir von Kunstrasen zu Kunstrasen geeiert und haben trotzdem so eine Rückrunde gespielt. Ich denke es ist auch wichtig für potenzielle neue Spieler vernünftige Bedingungen anzubieten. Die Infrastruktur für die Spieler aber auch für die Fans ist sehr wichtig. Es ist alles noch etwas einfacher bei uns und dadurch vielleicht auch etwas familiärer, aber wir haben auf jeden Fall noch Luft nach oben.

 

 

WAS WÜRDE EIN AUFSTIEG IN DIE 3.LIGA FÜR DIE SPIELER BEDEUTEN?

 

Christian: 3. Liga bedeutet natürlich größere Stadien und mehr Zuschauer. Wenn man dieses Jahr sieht, welche Mannschaften in der 3. Liga involviert sind, kann man sich vorstellen was da abgeht. Da ist auch jedes Auswärtsspiel ein Highlight. Man kann auch sehen, dass die 3. Liga aufgrund der vielen Traditionsmannschaften immer attraktiver wird und steigende Einschaltquoten hat. Da redet man über Profi-Fußball und jeder Sportler muss das Ziel haben dort hinzukommen. Nico und ich haben die Erfahrung ja schon machen dürfen. Und wenn man das einmal gehabt hat, dann will man da unbedingt wieder hin. 

 

 

GÖKAY, DU BIST ZIEMLICH NEU HIER: MERKST DU ES DAS FLENSBURG EINE HANDBALLSTADT IST? HAST DU DEN EINDRUCK, DASS HIER MIEHR INTERESSE AM HANDBAL IST?

 

Gökay: Vom Handball habe ich vorher ehrlich gesagt nicht viel mitbekommen. Aber seit dem ich hier bin, verfolge ich natürlich auch was im Handball passiert. Es ist auch ein riesen Unterschied. Die SG spielt als amtierender Meister in der 1. Liga und auch noch in der Champions-League. Aber ich denke, wir können durch gute Leistungen auch die Begeisterung für Fußball in Flensburg weiter wachsen lassen.

 

WIE NEHMT IHR DIE FANS WAR? HAT SICH AUCH DORT IN DEN LETZEN MONATEN VIEL GETAN?

 

Christian: Man muss das immer im Verhältnis zu unseren Leistungen sehen. Wenn wir gute Leistungen bringen und oben mitspielen, mehr man, das parallel dazu auch die Begeisterung immer gleich entfacht wird. Wenn es sportlich nicht so erfolgreich läuft haben wir aber auch damit zu kämpfen, die Leute zu erreichen. Von der Basis sind wir natürlich schon etwas nach oben gekommen. Letztes Jahr hatten wir endgültig einen Zuschauerschnitt von guten 1.000 Zuschauern je Spiel. Da ist aber noch riesen Potential. Das hängt natürlich von der sportlichen Leistung aber auch vom Komfort für den Zuschauer ab.  Diese Saison haben wir bisher sportlich noch nicht die Werbung gemacht, wie letztes Jahr. Das merkt man dann natürlich bei den Spielen auch. 

 

IHR SEID GERADE ALS „MANNSCHAFT DES JAHRES“ IN SCHLESWIG-HOLSTEIN NOMINIERT. (Anmerkung: Jeder kann noch bis zum 13.12. auf www.ndr.de/sportabstimmen)

 

Christian: Die erstmalige Nominierung ist auch wieder ein Highlight für den Verein und daran sieht man auch, wie der Erfolg von außen wahrgenommen und honoriert wird. 

 

WERDET IHR AUCH PRIVAT SCHON OFT AUF DEN FUßBALL ANGESPROCHEN?

 

Nico: Ich merke das jetzt schon sehr viel. Es bekommen natürlich immer mehr Leute mit und sprechen einen auch privat auf den Fußball an. Die Fans sind durch den Erfolg der letzten Saison natürlich auch etwas verwöhnt und denken das ist leicht wiederholbar. Viele fragen dadurch aktuell auch, warum wir „nur“ auf Platz 4. stehen. 

 

 

WIE HOCH SEHT IHR DIE CHANCEN, DASS IHR DEN LANDESPOKAL WIEDER GEWINNT?

 

Gökay: Wir spielen im Finale gegen Lübeck. Es wird nicht einfach, weil wir auf der Lohmühle spielen. Aber ich denke es ist ein spezielles Spiel, da es ein Finale ist. Dadurch werden wir ein anderes Spiel sehen, als in der Liga zuletzt. 
Nico: Ich finde, es ist einfach dort zu spielen. Wir haben darauf richtig Bock. Die Lübecker werden auch noch an das letzte Jahr denken, wo wir sie trotz dreifacher Führung aus dem Pokal rausgekegelt haben. Ich denke, wir werden dort unser Spiel machen und darauf freuen wir uns auch schon.

 

ABSCHLIESSEND HABE ICH NOCH EINE FRAGE. WENN ICH EIN POTENTIELLER SPONSOR WÄRE, WAS WÜRDET IHR MIR SAGEN, WARUM ICH IN EUER TEAM INVESTIEREN SOLLTE?

 

Christian: Ich glaube, es ist grad eine spannende und wichtige Phase, da wir am Scheideweg zum Profifußball sind. Es ist für uns ganz wichtig weitere Sponsoren und Unterstützer zu bekommen, um diesen Schritt in die 3. Liga zu machen, denn wir sind nicht das einzige Team mit dem Ziel 3.Liga. Speziell in der nächsten Saison, wo der Meister ohne Relegation direkt aufsteigt ist die Chance noch höher. Wir haben mit bescheidenen Mitteln in der Vergangenheit sehr viel geleistet, aber der nächste Schritt erfordert weitere Unterstützung. Fußball ist der Sport schlechthin weltweit und dadurch ist auch sehr viel Potential für Sponsoren hier in der Region, da in der 3. Liga mit den Live-Übertragungen nochmal eine viel höhere Wahrnehmung herrscht als in der Regionalliga.

Gökay: Der Verein ist gewachsen, aber die Wachstumsphase ist noch nicht vorbei, auch wenn wir in der Liga aktuell vielleicht nicht optimal dastehen. Aber die ständige Verbesserung der letzten Jahre und die Teilnahme an der 2. Runde im DFB-Pokal sprechen für sich und sind allein schon gut Argumente für Sponsoren. Nächstes Jahr wird mit der Möglichkeit zum Direktaufstieg sehr interessant und mit konstanten sportlichen Leistungen und guten Sponsoren haben wir da eine realistische Chance. 

Nico: Wenn der Sponsor Bock auf ehrliche Arbeit hat, dann ist er bei uns genau richtig. Egal ob es regnet oder schneit, wir gehen immer raus. Wir gehen auch auf den Sandplatz, denn bei uns gibt es kein Schickimicki. Wir geben alles für den Erfolg und ruhen uns nicht aus. Ich denke, damit können sich viele Sponsoren identifizieren. 

Christian: Wir sind bescheiden, haben ein gutes Auftreten und auch die Fairplay-Wertung ist ein gutes Argument für Sponsoren.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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